Catboottreffen am Steinhuder Meer 1.-3.9.2017

10 Catboote waren Anfang September zu einem Catboottreffen am Steinhuder Meer angereist. Mit dabei waren die beiden Abeking & Rasmussen Catkreuzer von 1922, Krümel und Novatus, dazu kamen 5 Seezungen vom Typ A, Clambake, Ronja, Amanda, Old Lady und Triton, der Törncat 55 Odin, sowie aus den Niederlanden das von Jaap frisch umgebaute und noch rechtzeitig fertig gewordene Catboot Charlotte II.

 

 

 

Am Abend des Anreisetages kam Jens Dannhus von F&D hinzu und berichtete über den Bau der Seezunge aus GFK sowie aus Holz, so wie sie früher gebaut wurde und wie es in Formverleimung heute ausgeführt wird. Als Histörchen brachte er einige der ersten Zeichnungen von Gerhard Gilgenast mit, schon recht verblasst und mit zahlreichen handschriftlichen Anmerkungen versehen, werden sie auch heute noch bei einem Auftrag aus den Regalen geholt und für den Bau genutzt. Die Teilnehmer nutzten diese Gelegenheit gerne um Fragen zu stellen. Es entwickelte sich eine interessante Diskussion über früher und heute praktizierte Baumethoden, vormals verwendeten Betonballast, Antifouling bis hin zu Fragen zum Rigg und zur Geschichte der Seezunge.

Der nächste Morgen begann mit einem reichhaltigen Frühstück im Fischerstübchen. Und ab 10:00h ging es dann im Geschwader mit 6 Booten ab Mardorf und mit weiteren 3 Booten ab Steinhude in Richtung der Festungsinsel Wilhelmsstein. Da es in der Vorwoche noch kräftigen Regen gab, drohte die Veranstaltung ins Wasser zu fallen. Doch bereits am Freitag klarte der Himmel teilweise auf und das Wetter besserte sich dann stetig. Nur am Wind mangelte es. Unsere gaffelgetakelten Seezungen mit einer guten Tonne Gewicht brauchen schon etwas mehr Wind um ordentlich in Fahrt zu kommen. Und auf meiner Triton waren wir mit 4 Erwachsenen ganz schön beladen. Da halfen selbst unsere 4-fachen taktischen Überlegungen aus 4 Köpfen nicht viel, wenn der Wind zu schwach weht...So blieb es aber ein sehr gemütlicher Segeltag. Erst waren sie kaum zu entdecken aber bald konnten wir mit dem Fernglas tatsächlich immer deutlicher einzelne Gaffelsegel am Horizont ausmachen und dann waren sie auch schon ganz schnell da: Die 3 Seezungen, die von der Steinhuder Seite aus gestartet waren: Amanda war mit ihrer Segelsilhoutte, hochgetakelt und mit Focksegel, für uns erst zuletzt zu erkennen. Old Lady kam mit reiner Damencrew und klassischer Gaffeltakelung, Ronja fährt ebenfalls einen Bugspriet zum Gaffelsegel.    

 

Nach der bei 1 Bft. langen Überfahrt waren alle froh anzulegen um die anderen Boote etwas näher in Augenschein zu nehmen. Nicht nur die prominenten Oldtimer von 1922, nein auch die Seezungen -immerhin stammen sie bereits aus den Jahren 1969-1998- und das Catboot Charlotte II aus 2003 waren alle in bestem Zustand. Die Odin ist etwas jüngeren Datums, sie wurde 2015 erstmalig ins Wasser gebracht und ist natürlich noch nahezu neu. Ob es wohl jemals vorher so viele Catboote auf Wilhelmsstein gegeben hatte? Nach Snack und Schnack und einem Inselrundgang ging es dann wieder in die Boote. Schwierigste Übung für heute: Ablegen ohne Motor mit auflandigem Schwachwind. Wir drückten uns mit dem Paddel kräftig ab, wriggten noch ein paar Meter um ausreichend Abstand zu gewinnen, das Segel wurde schnell gesetzt, aber nur gaaanz laaangsam ging es weiter.

 

 

 

 

Meine beiden Crewgäste Günther und Rudi bemerkten sogleich, dass ich keinen Baumniederholer habe. Frank betätigte sich somit kurzfristig als menschlicher Niederholer. Aber bevor ich darüber lachen konnte sah ich bereits, dass das Speedo meiner Triton gleich um 0,2-0,5 kn auf ca. 1,2 kn nach oben "schnellte". Dieser Effekt gab und gibt mir immer noch zu denken, er war einfach zu deutlich, als dass ich das Thema Baumniederholer weiter vernachlässigen könnte: Für mich ein gutes Thema für die kommende Wintersaison !

 

Am späten Nachmittag gab es im Vereinsheim des LKV Niedersachsen noch eine Präsentation über die Geschichte der amerikanischen Catboote und die aktuelle "Catbootszene" in Europa bevor der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen zu Ende ging. Für die Camper und Bootsschläfer der Gruppe war der Tag - vermutlich wegen reichlich vorhandenen Bordbieres - hingegen noch lange nicht zu Ende.

Nach einer kühlen Nacht erwachte der nächste Tag mit Frühnebel und machte dann seinem Namen als Sonntag alle Ehre. Der Nebel verzog sich rasch und für den Rest des Tages kam dann die Sonne hervor und bescherte uns noch einen wunderschönen Spätsommertag. Allerdings - und das war schade, schlief der Wind im Vergleich zum Vortag noch weiter ein. Da mit Segeln heute nicht mehr viel ging machten sich die Teilnehmer vom Steg des Fischerstübchens dann paddelnd, stakend oder wriggend zurück zum Kransteg um ihre Boote für die Heimfahrt mit dem Trailer vorzubereiten. Timm nutzte die langsame Fahrt zum Kransteg sogar noch dazu, schwimmend den Bootsrumpf seiner Clambake abzuwaschen. Rasmus verabschiedete sich mit seiner Krümel in Richtung seines Haussteges, während die Novatus und Triton noch versuchten etwas zu segeln nach der Devise: bloss nicht zu weit vom Kran weg- sonst müssen wir ein langes Stück paddeln. Ein schönes und seltenes Catbootwochenende ging damit zu Ende. Günther, der seine Seezunge "Ole" eigentlich verkaufen wollte, ist nun auf ganz andere Gedanken gekommen... hoffentlich haben wir da nicht etwas angerichtet... Es war schön so viele teilnehmende Boote dabei zu haben und sicher wäre es schön, wenn wir auch in Zukunft so etwas noch einmal hinbekämen.   

Weitere Impressionen vom Catboottreffen am Steinhuder Meer: