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Mit der "Triton" zum Catboottreffen in Berlin

Im Juli gab es bei schönstem Wetter ein kleines aber sehr nettes Catboottreffen auf der Havel in Berlin. Urlaubsbedingt waren nur wenige Catboote mit von der Partie, dazu gehörte auch die schöne Seezunge B Windsbraut  von Marianne und Ingo, meine Triton und auch die OHO ließ sich einmal blicken. Dazu reisten einige Catbootsegler extra zum Termin an: Udo, Fahrer einer Seezunge B aus Hamburg und aus Münster kamen Gerda und Hartmut, Mitglieder im Verein Seglerhaus am Wannsee, welche ihre Seezunge A erst vor kurzem verkauft hatten. Hinzu kamen einige interessierte Mitfahrer, denen ihr aktuelles Boot offenbar etwas zu sportlich geworden ist. Sie nutzten diese vielleicht eher seltene Gelegenheit auch einmal mit einer Seezunge zu fahren. Und aus Köln kam auch meine liebe Sibylle. Ich selbst nutzte die Gelegenheit und den schönen Sommer um für die nächsten 14 Tage dieses Revier zu erfahren. Nachdem ich die Triton mit Ingos Hilfe ins Wasser gekrant und aufgeriggt hatte ging es gleich einmal hinaus. Wir fuhren die mittlere Havel nordwärts bis zur kleinen, vor dem Ostufer liegenden Insel Lindwerder und wieder zurück.

 

Wieder im Hafen angelangt musste ich mir zunächst einmal die Windsbraut etwas näher ansehen: Der erste Eigner, Otto Schröder hatte mit viel Liebe zum Detail eine vom Bodensee nach Bremen gelieferte GFK-Schale wunderschön in Holz ausgebaut, mit gedrechselter Cockpit-Reling und schönen Intarsienarbeiten in der Tischplatte. In den 80er Jahren gab es für den Selbst-ausbau sogar einen Preis von der Zeitschrift "DieYacht". Udo reiste bereits zeitig an und so nutzte ich einen Tag um mit ihm zum Inselchen Lindwerder zu fahren. Uns fällt eine schwimmende Würstchenbude auf mit aufgeblasener Riesen-Colaflasche als Blickfang. Immerhin, die haben auch Anlegemöglichkeiten mit Fendern. Das ist wohl eher etwas für die schwimmenden Party Boote, die ab und zu vorbeifahren. Aber neben diesen etwas seltsamen Schwimmobjekten fällt mir doch die große Vielfalt an verschiedenen Booten, die auf der Havel unterwegs sind ins Auge: Jollenkreuzer aus den verschiedensten Jahrzehnten, teilweise mit hölzernem Vorstag. Dann ab und zu ein schöner Schärenkreuzer oder ein Drachen. Große Kielyachten, kleine Fahrtenboote, Ruderboote und Motorkreuzer. Dazu alte Seefahrtskreuzer mit dem bekannten Segelzeichen von A & R. Hier gibt es laufend etwas zu sehen, sowohl an den Ufern als auch auf dem Wasser. Auffallend: es scheint wenig Charterer zu geben; denn trotz teilweise guten Betriebs auf dem Wasser sind alle Skipper sehr vorbildlich. Stets wird schon von Weitem die Beachtung der Vorfahrtsregeln deutlich signalisiert. Udo erzählt mit viel von seinen Törns auf der Elbe und von seiner Norderpiep 3. Am nächsten Tag zählten dann Gerda und Hartmut zur Gastcrew. Sie sind Mitglied im VSaW (Verein Seglerhaus am Wannsee), also ortskundig und zeichneten sich somit auch als ausgezeichnete Reiseleiter aus. So ging es zunächst am Bojenfeld des SV03 heraus und an der schönen Halbinsel Schwanenwerder vorbei. Schwanenwerder galt vor dem Krieg bereits als Insel der Villen von Bankiers und Fabrikanten. Bekannt wurde die Springer Villa, die bis 1997 von der Verlegerwitwe Friede Springer bewohnt wurde. Die Sonne schien unermüdlich und der Wind wehte zudem nur schwach. Nur ab und zu erreichte uns eine leichte Bö, die ein wenig Erfrischung bot. Wir steuerten südlich um die Pfaueninsel herum. Kanalartig näherten sich die schönen bewaldeten Ufer. Von hier aus nur sehr kurz zu sehen, aber ganz in der Nähe liegt das bereits seit mehr als 100 Jahren bekannte und eines der schönsten Ausflugslokale Berlins, das Wirtshaus Moorlake. Wir nähern uns der engsten Stelle, hier gibt es eine Fähre, welches Ausflügler auf die Pfaueninsel befördert.

Hartmut warnt mich rechtzeitig, und da fährt die Fähre auch schon los. Hier gilt es besonders aufzupassen, denn das Fahrwasser biegt nach links und ist zunächst nicht einsehbar. Nach der Biegung weitet sich das Gewässer wieder. An der Südseite der Pfaueninsel ist das markante Schloß Pfaueninsel zu sehen.  Wir steuern im Fahrwasser weiter bis in den Jungfernsee. Dort erwartete uns Segler bei strahlend blauem Himmel und allerdings auch guter Hitze ein einzigartiges Erlebnis. Von einer Stelle im Jungfernsee sind mehrere Bauten, welche auf der Liste der UNESCO Weltkuturerbe stehen zu sehen: Schloß Babelsberg, das Glienicker Schloß, die Glienicker Brücke, die Kirche St. Peter und Paul auf der Potsdamer Seite, die Heilandskirche und Schloss Belvedere auf dem Pfingstberg. Ich bedaure ein wenig, dass ich nicht noch mehr Zeit mitgebracht habe, denn jedes der genannten Sehensürdigkeiten ist einen eigenen Besuch wert. Aber die Sonne strahlt heute unbarmherzig. Unter solchen Bedingungen fällt auch die Attraktivität der berühmten Stätten etwas ab. Und wenn dann, wie ich von Gerda und Hartmut erfahre auch noch eine Brauerei mit Biergarten ganz in der Nähe ist, dann hat diese Aussicht etwas wahrlich Paradiesisches. Es handelt sich um die Gasthausbrauerei Meierei, welche gleich unterhalb des Belvedere am Pfingstberg liegt. Nicht weit von der Brauerei finden wir einen Liegeplatz und gehen einen kurzen Weg zu Fuß. Der Biergarten ist zwar recht belebt, aber schließlich finden wir einen guten Platz und geniessen einen sehr schönen Ausblick.

Gerda ließ es sich nicht nehmen geduldig den Platz in der Bierschlange einzunehmen. Bei einem der besten Biere der Welt geniessen wir die schöne Aussicht auf den Jungfernsee. Von hier aus zeigt mir Hartmut auch noch die ehemaligen Grenzmarkierungen, von wo aus eine Kette quer durch den See verlief. Dann geht es wieder zurück. Einige Böen kommen auf und - hoppla da wehte ein kräftiger Windstoß auch schon Gerdas schöne Kappe vom Kopf. Hinter uns fuhr gerade ein Ausflugsboot und ich war am Rand des Fahrwassers, sodass an eine schnelle Wende nicht zu denken war. Ich spähte noch nach der Kappe im Wasser, aber sie sank zu sehr schnell weg- schade drum. Am Abend lud mich meine Gastcrew ins Seglerhaus am Wannsee ein. Der Bau stammt aus der Kaiserzeit, mit prächtig ausgestattetem Saal und sehr schöner Terrasse, welche einen schönen Blick auf den Hafen und den Wannsee bietet. Für das Catboottreffen am nächsten Tag nutzten wir die Räumlichkeiten der wunder-schön bei Schwanenwerder gelegenen Seglervereinigung SV03. Ingo ist langjähriges Mitglied im SV03. Hier gab es zunächst einige Informationen zur Geschichte der Catboote und Ingo informierte noch zum Revier. Das Revier der Unterhavel mit dem Wannsee ist ein landschaftlich sehr schön, das Uferprofil ist fast lückenlos bewaldet, dazu hügelig und bietet in alle Richtungen sehr schöne Aus - und Anblicke. Neben der landschaftlichen Schönheit ist dieses Revier aber auch kulturell sehr interessant. Zahlreiche sehr schön gelegene Villen , Schlösser und Türme und Türmchen säumen die Ufer beiderseits der Havel. Auf der Pfaueninsel und an den Ufern der Havel sind noch zahlreiche architek-tonische Zeugnisse zu sehen, welche der preussische Baumeister und Architekt Karl-Friedrich Schinkel hier aufgebaut hatte. Hier zu sehen, was einst durch Friedrich dem Großen mit den Gründung der Residenzstadt Potsdam und umliegender Parkland-schaften begann und später im 19. Jahrhundert durch König Friedrich Wilhelm IV. fortgeführt wurde. Seine Sehnsucht nach Italien inspirierte ihn zu der Bautätigkeit, welche der Potsdamer Landschaft eine bis heute spürbare Prägung gab und unter dem Namen "preussens Arkadien" bekannt wurde. Der Wind ist heute aber nur sehr schwach und typisch für meine Triton: sie kommt nicht recht in Schwung. Geruhsam umrunden wir die Pfaueninsel und auf dem Rückweg kommen uns wieder einige schöne alte Segler entgegen.

Meine Gedanken schweifen ab und ich muß unwillkürlich an die ersten in Deutschland gebauten Catboote um 1900 denken. In diesen Gewässern mussten sie unterwegs gewesen sein, die hier als "Catkreuzer" bezeichneten kleinen catgetakelten Kielboote. Von den Konstrukteuren Artur Tiller, Friedrich Popp und Adolph Harms gezeichnete Boote, die bei den heute nicht mehr existierenden Werften Werften wie Heidtmann, Engelbrecht oder Berkholz & Gärsch gebaut wurden. Sie waren damals den Sloop-Takelungen an der Kreuz noch überlegen. Aber jäh wird meine Aufmerksamkeit wieder auf die Gegenwart gelenkt: Was erscheint dort in der Ferne? Ich traue meinen Augen kaum - kommt uns da wirklich ein Rahsegler auf uns zu? Ein Rahsegler- ich meine wir sind hier auf der Havel - einem Binnenrevier? Tatsächlich - es ist ein Rahsegler. Als das Schiff näher kommt fallen mir viele Passagiere an Bord auf, die alle ungewöhnlich groß scheinen. Aber ist nicht die Größe der Passagiere, die irritiert, es ist das kleine Schiff ! Es ist eine verkleinerte Version einer englischen Fregatte namens "Royal Louise". Nein - es handelt sich nicht um eine kitschige Attrappe, in diesem Revier hat auch dieses Schiff Geschichte: Das originale Schiff war ein Geschenk der britischen Königs William IV. an den preussischen König Friedrich Wilhelm III. . Das heutige Schiff wurde 1996 originalgetreu nachgebaut. Es hat seinen Stammplatz beim VSaW und hat ein schönes Bootshaus für die Überwinterung auf der Pfaueninsel. Zurück beim SV03 werden wir herzlich von der 2. Vorsitzenden des SV03, Frau Brigitta Hiemsch begrüsst. Sie ist genau wie ich langjähriges Mitglied im DHH und der SV03 ist zudem Stützpunkt des DHH. Bei einem gemeinsamen Abendessen geht nicht nur das Catboottreffen in Berlin sondern auch ein sehr schöner und erlebnisreicher Tag zu Ende. 

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