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Erfahrungsbericht zur Seezunge A und B von Heiko Matthes

Seezunge B - Anmerkungen zum Yachttest aus 1981

Menschen die aufs Wasser gehen sind schon was besonderes - so ganz speziell.
Segler unterscheiden sich von den Motorbootfahrern, können sich aber meist tolerieren.

Jetzt kommen die Segler mit ihren vielen Unterarten die sich auch mit Häme untereinander Abgrenzen, sich dann aber auch einig sind, dass Sie das einzig Richtige machen um das Leben zu genießen. ( man Merke ! Meine Frau ist Psychoanalytikerin. )

Catbootsegler sind also auch so eine Spezies und man muss sich mit dieser Familie vertraut machen damit das gemeinsame Bier schmeckt.
Es geht hier nicht darum eine Wende zu fahren und die Fock zu reißen. Das überlassen wir den Jüngeren oder denen die es immer bleiben wollen.
Im Catboot geht es erstmal darum das Leben in einem Schmuckkästchen zu genießen immer alles schön zu pflegen und dann aber auch mal so richtig zu segeln.

Bekanntermaßen kommen diese hübschen Augenweiden aus Amerika, unterscheiden sich aber vor allem darin, dass man in Europa vorwiegend Holzschiffe pflegt wärend im Amerika vorwiegend in Kunststoff gebaut wird. Hier scheiden sich die Geister aber jetzt wollen wir mal nicht die Nase rümpfen, denn wir sitzen ja alle im gleichen Boot.

25 Jahre lang habe ich eine Seezunge A in Vollholz gesegelt, war mit ihr viel mit dem Trailer unterwegs - Holland, Elba, Ostsee - und habe natürlich immer auf das nächst grössere Schiff gepeilt, nämlich die Seezunge B.
Das vom B Typ nur zwei Schiffe bei Fricke & Dannhus gebaut wurden, ist nie an die große Glocke gehängt worden. Unsere Seezunge B war die erste und trägt die Segelnummer 100, was wohl Wunschdenken war.
100 Catboote treffen wohl annähernd für die Seezunge A zu die Fricke und Dannhus zu Wasser lassen durften.
Warum also wurden vom Typ B nur zwei in Auftrag gegeben ? Das hat sowohl eine praktische wie auch eine psychologische Seite.
A und B Varianten unterscheiden sich um 1,5 Meter in der Länge und 0,65 Meter in der Breite.
Auf dem einen Schiff kann man mal übernachten, auf dem anderen verbringt man seine Zeit.
Die B Seezunge ist nur schwer mit bürokratischen Aufwand auf die Straße zu bringen und den A Typ hängt man sich einfach hinten dran. Seht man die beiden Schiffe in Kran hängen, überkommt einem beim A Typ Vorfreude, beim B Typ Respekt. Die Unterschiede sind also doch gewaltig.

Oft werde ich gefragt worin sich die Segeleigenschaften der beiden Varianten unterscheiden. Die A Seezunge war deutlich luvgieriger, hatte allerdings ungewöhnliche 20 Quadratmeter Segelfläche.
Beide Seezungen sind auf der Kreuz keine Renner, die B Seezunge ist auf Raumkursen aber deutlich schneller.
Auf der Starkwindrutsche von Darsser Ort nach Hiddensee haben wir als Zufallsfund 9,2 Knoten über Grund auf Navitronic abgelesen. Da war sicherlich noch mehr drin.
Beide Seezungen möchte ich als Kentersicher bezeichnen, sie laufen in der Böe aus dem Ruder und bleibt dann im Wind stehen, oder legen sich derart auf die Seite, dass sie auf ihrem dicken Bauch einfach nach Lee wegrutschen.
Auffällig ist bei Catbooten, dass die Leewanten an der Kreuz immer ordentlich durchhängen und die Gefahr besteht, dass sie sich aushaken können. Also bitte die Splinte gut sichern und das Vorstag ordentlich durchsetzen.

Seezungen sind was für Leute im fortgeschrittenen Alter und meine Frau sagt sie wäre nun zu alt fürn Campingurlaub, sie möchte nicht vorne das Spiegelei braten und gleichzeitig die Toilette am Hintern haben. Ähnlich hat sich auch die Frau von meinem Miteigner geäußert. Also Männer - vergesst nicht eure Frauen mit einzubeziehen wenn ihr anfangt von einem Catboot zu träumen.

In den rund 30 Jahren hat unsere B Seezunge sicher einiges erlebt und erlitten. Dass Sie heute noch noch gut in Schuss ist spricht auch für die handwerkliche Qualität des Erbauers.
Ein paar Kleinigkeiten sind seit dem Yachtbericht vom inzwischen verändert worden.
Der schicke Drehaschenbecher steht nicht mehr auf dem Tisch ( weil rauchen an Bord nicht mehr In ist ) die Umklappmimik die die Messe in ein Bett verwandelt haben wir ausgebaut, geblieben ist einfach nur die große Liegewiese. Bei Regen steht ein Klapptisch vor der Kochecke an der zwei Leute Platz finden.
Die Gastherme hat schon unser Vorbesitzer ausgebaut und wir vermissen das Ungetüm nicht. Auch die fest eingebaute Kühlbox hatte schon vor unserer Zeit das zeitliche gesegnet, weil sich wohl Kondenswasser darunter gesammelt hatte. Eine große portable Kühltasche mit Elektroanschluss hat den Job übernommen.

Das die Wanten zu unterdimensioniert wären kann ich nicht bestätigen. Bei Starkwind und drei Mann auf der hohen Kante hatte sich einst die obere Wante gelöst, sodass der gesamte Druck von der schwächeren Unterwante aufgefangen wurde. ( Hat gehalten – gut zu Wissen ! )
Es wird auch immer mal wieder die Frage nach einem Baumniederholer aufgeworfen. Natürlich würde das mehr Speed in Boot bringen, aber passt nicht zu dem was wir mit unseren Augenweiden erleben wollen.
Die beiden Gasflaschen in der Backbord Backskiste gibt es noch weil bei uns an Bord Viel und sehr Gut ! gekocht wird. Auch die Heizung will mit Gas betrieben werden.

Inzwischen werden diese eigenwilligen Schiffe nun ja auch von unterschiedlichen Werften angeboten wie zum Beispiel Michelsen am Bodensee oder Cardani in Italien. Interessant dürfte auch die Variante von Bopp & Dietrich vom Steinhuder Meer sein, die ihr Catboot mit 2,50 Breite aber 6,80 Metern Länge gebaut haben.

 

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