Geschichte der Seezunge

Letzte Änderung 30.11.2016


Im Ursprungsland des Catbootes Amerika hat der Bootstyp bereits eine lange Geschichte. In Europa und Deutschland ist die Geschichte der Seezunge dagegen noch vergleichsweise jung.

Die Idee:
Gegen Ende der 1960er Jahre hatte der damalige Herausgeber von Deutschlands damals größter Wassersportzeitschrift "Die Yacht" -es war kein Geringerer als der Journalist, Publizist und Filmemacher Horst Stern -  die Idee, einen einfach zu bedienenden Kleinkreuzer auf den deutschen Markt zu bringen. Das Boot sollte leicht trailerbar sein, genügend Platz und Komfort für eine kleine Besatzung bieten und als Kielschwerter auch für flache Gewässer geeignet sein.

Die Konstruktion:

Als Designer konnte Gerhard Gilgenast gewonnen werden, der sich später allerdings weniger durch die Entwürfe von Segelyachten einen Namen machte - u.a. zeichnete er die "Ventura" - als vielmehr durch die Entwürfe zahlreicher Motorsuperyachten (u.a. Aga Khans "Kalamoun", Octopussy u.v.m.). Gilgenast war einige Zeit beim amerikanischen Konstruktionsbüro Sparkman und Stephens gemeinsam mit Phil Rhodes tätig, und aus dieser Zeit brachte er seine Kenntnis über amerikanische Catboote mit. Diese besaßen nicht nur ein einfach zu bedienendes Cat-Rigg, sondern sie entsprachen auch sonst schon recht gut den Vorstellungen Horst Sterns. Da dieser Bootstyp in Deutschland und Europa nur wenig bekannt war, wurde das Catboot auf die europäischen Bedingungen angepasst und ein Projekt mit dem Namen "Seezunge" nahm seinen Anfang. Es wurde eine Zeichnung erstellt - genauer gesagt gleich zwei! Denn gleich von Beginn an wurde das Catboot in zwei unterschiedlichen Größen gezeichnet, genau die Größen, welche auch in den USA sehr populär waren: Die Seezunge Typ A mit einer Länge von 5,40m und einer Breite von 2,50m, sowie der etwas größere Typ B mit einer Länge von 6,50m und einer Breite von 3,15m. Die beiden Typen unterschieden sich ansonsten fast nur im Maßstab. Der kleine Typ Seezunge A wurde mit einer Breite von genau 2,50m auf die max. zugelassenene Breite für Trailer auf Europas Strassen angepasst. Weitere Unterschiede im Vergleich zu den amerikanischen Vorbildern sind die etwas verkleinerte Segelfäche und die Position des Mastes, die etwas weiter nach hinten versetzt wurde. An der verkleinerten Segelfläche ist zu erkennen, dass dabei die Faktoren Komfort und Familientauglichkeit im Fokus lagen. Die leicht nach achtern versetzte Mastposition bietet eine erhebliche Vereinfachung beim Ankern, da vor dem Mast nun ausreichend Bewegungsfreiheit geschaffen wurde. Amerikanische Konstruktionen haben zu diesem Zweck vielfach einen Bugspriet nachgerüstet, diesem wollten die Väter der Seezunge von vornherein aus dem Wege gehen.

Der Bau:

Es gab nicht nur zwei verschiedene Größen, auch in der Bauart sollten ein größtmöglicher Freiraum geboten werden: Aus GFK, formverleimtem Sperrholz oder Vollholz, alle Bauweisen sollten möglich sein. Die GFK Typen wurden zu Anfang auf der Michelsen-Werft am Bodensee gebaut, während die Holzboote seit ca. 1971 bei Fricke & Dannhus am Dümmer See in Niedersachsen gefertigt wurden. In alten Zeitschriften werden auch noch andere Werftnamen genannt, u.a. Rawell am Bodensee: Rawell fertigte die GFK- Schalen sowohl für Michelsen, als auch für einige der norddeutschen Bootsbauer, ob auch bei Stöberl Schalen gefertigt wurden ist nicht bekannt. Georg Rohde in Lemwerder als auch Peter Linnekuhl am Steinhuder Meer bauten fertige GFK-Schalen von Rawell bzw. Michelsen aus. Albert Kühl in Schönningstedt beherrschte damals schon das Verfahren zur Formverleimung, aber er stellte nur wenige Seezungen aus diesem hochwertigen Material her. Sicher ist, dass auf der Hamburger Feltz Werft sogar eine Version in Stahl gebaut wurde. Es wäre interessant zu erfahren wo sich diese Boote heute befinden. Ende der 1970er Jahre wurde die Fertigung bei Michelsen dann eingestellt, bei Fricke & Dannhus HD-Yachtbau GmbH & Co. KG wird sie bis zum heutigen Tag weiterhin in handwerklicher Qualität nach Wunsch entweder in GFK, kombiniert oder in Vollholz gebaut. 

 

Publikationen:
In der "Yacht" wurde 1969 von den Plänen des damaligen Herausgebers Horst Stern schon berichtet und die ersten Boote der beiden Typen wurden durch "Die Yacht" selbst in Auftrag gegeben und damit war die Seezunge geboren. Über die ersten gebauten Boote wurde 1970 in der Zeitschrift berichtet, damals schon unter Mitwirkung von Harald Schwarzlose, dem späteren Chefredakteur der "Yacht", der auch als Autor mehrerer Bücher zu Kleinkreuzern bekannt wurde. Schwarzlose war auch der Autor des ersten Testberichtes der Seezunge, der in Heft 22 von 1971 veröffentlicht wurde. Zu diesem Projekt der "Yacht" gab es 10 Jahre später noch einmal einen Artikel in der "Yacht" von Joachim G. Muhs, welcher die Entstehungsgeschichte der Seezunge noch einmal im Rückblick betrachtete. Die Zahl der in den ersten drei Jahren gebauten Boote wurde darin auf ca. 100 beziffert. Auch wurde berichtet, dass die Konstruktion dann noch einmal von Gilgenast überarbeitet wurde. Von diesen Änderungen wurde in jedem Fall eine geänderte Ruderkonstruktion übernommen. Auch ein Einbaudiesel war seitdem möglich. Ob auch die geänderten Linien eines volleren Vorschiffs und eines eingezogeneren Spiegels umgesetzt wurden ist dagegen nicht bekannt.

 

 

 

Quellen:

Idee zur Seezunge vom Herausgeber "Der Yacht" Horst Stern in "Seezunge für Zwei" -Ein Wort vom Herausgeber- 1969, Heft 10, S.2

Artikel zur Nachfrage auf die Idee zur Seezunge "Romantik 1970", "Die Yacht" 1969 Heft 13, S. 20+21

Artikel zur Idee der Seezunge "Mal sehen, wie ernst Sie es meinten" aus "Die Yacht" 1969 Heft 19 , S. 56

Pressenotizen aus "Die Yacht" 1970 Hefte 1+5 zur Vorstellung der ersten Seezungen

Bootsvorstellung "Seezunge auf Eis" aus "Die Yacht" 1970, Heft 2, S. 22-25, Horst Stern

Yachttest aus "Die Yacht" 1971, Heft 22, S. 108-109 Harald Schwarzlose

Artikel "Segeln mit Cat-Booten, Seezunge-Herausgeber Art" aus "Die Yacht" 1981, Heft 8 S. 26-31, Joachim F. Muhs